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Der Videobeweis – Supercup-Edition

Bereits beim Confed-Cup war der Videobeweis medial heiß diskutiert worden – durch Pannen wie der  oder einer simplen Nicht-Beachtung der Bilder durch den Schiedsrichter. Und selbst beim ersten „wichtigen“ Spiel der neuen Saison, dem Supercup zwischen Borussia Dortmund und Bayern München, reden alle im Nachhinein über den Videobeweis. Nicht über Peter Bosz, der als nächstes versuchen wird, die Sehnsucht der Dortmunder nach Jürgen Klopp vergessen zu machen. Fast nichts über die Umstrukturierungen bei Bayern München, wo die Verpflichtung von „Brazzo“ Salihamidzic und der Abgang von Reschke das Machtgefüge verschieben dürften.

Der Videobeweis: Direkt im Einsatz, direkt entscheidend

Nach beiden Treffern der Münchner herrschte zunächst Unsicherheit, ob die Treffer denn zählen.  Insbesondere das 1:1 durch Robert Lewandowski hatte in der ersten Zeitlupe abseitsverdächtig gewirkt. Nach Rücksprache mit dem Videoassistenten entschied Schiedsrichter Felix Zwayer auf Tor – die Fans bekamen aber bis zur Halbzeit keine weitere Einstellung zu sehen, um sich davon selbst noch einmal überzeugen zu können.

Einen Tag später wurde nun eingeräumt, dass es eine technische Panne gab, die dem Video-Assistenten in Halbzeit 1 keine Möglichkeit gab, eine Abseitslinie zu sehen. Er musste also bei Anblick verschiedener Perspektiven auf sein Augenmaß vertrauen. Eine immer noch wesentlich bessere Voraussetzung für eine richtige Entscheidung, als ein Linienrichter sie in der Live-Situation mit nur einem Blickwinkel besitzt. Das bewies dann das – nachträglich – veröffentlichte Bild der Situation von DFB und DFL.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich viele Fans natürlich bereits ihre Meinung gemacht. Die Zweifler an der Sinnhaftigkeit des Videobeweises fühlten sich bestätigt. Die  Anerkennung beider Bayern-Tore nach Videobeweis-Situationen sorgte zudem für ein erhöhtes verschwörungstheoretisches Potenzial insbesondere in westlichen Regionen des Landes. Unabhängig davon, dass der Videobeweis die Legitimation der Treffer eigentlich erhöhen soll.

Das ZDF will Diskussionen – und diskutiert über den Videobeweis

Im ZDF wusste man bei der Interviewführung scheinbar auch nicht so recht, wohin man mit den Fragen sollte. In der Vergangenheit konnte man komplizierte Situationen immer gut ansprechem, die lieferten emotionale Antworten, ab und an sogar eine Tirade in Richtung der Schiedsrichter. Jetzt war das schwierig. Also wurden die Dortmunder Akteure immer wieder auf die Videobeweise angesprochen. Nuri Sahin zeigte die beste Reaktion: Bereits während der Frage rollte er lachend mit den Augen, und ging nicht auf die Suggestivfragen ein.

Zahlreiche Fans lassen sich wohl selbst nach dem Wochenende bei der Thematik nicht so leicht beruhigen. Die Unzufriedenheit ist nicht gänzlich unverständlich. Denn während das zweite Tor der Münchner so oft wiederholt wurde, dass Pro7 bereits überlegt, es als Nachfolger für The Big Bang Theory einzukaufen, hinterließ das 1:1 bei den Fans ein ungutes Gefühl – weil die klare Kommunikation lange fehlte.

Bei Misstrauen in die Technik hilft nur Kommunikation

Man müsste eigentlich denken, ein Videoschiedsrichter, der das Tor aus verschiedenen Perspektiven vergleicht, müsste das Vertrauen in die Richtigkeit der Entscheidungen erhöhen. Das scheint nicht der Fall zu sein, wenn die Kommunikation darüber nicht eindeutig ist. Selbst die nun veröffentlichten Standbilder sorgten bei Fans für die Forderung nach GIFs, um den Moment der Ballabgabe selbst bestimmen zu können. Andere wanderten auf den letzten Gehirnzellen des Wochenendes und vermuteten eine gezielte Photoshop-Montage hinter den Bildern.

Während bei derartigen Fans eh jegliche realitätsbildenden Maßnahmen vergebene Lebensmüh zu sein scheinen – das Vertrauen in den Videobeweis scheint so oder so nicht besonders stark zu sein. Der Videobeweis hat noch viel Arbeit vor sich – insbesondere hinsichtlich seiner Transparenz im Fernsehen und den Social Media danach – denn dort werden die Fans danach verlangen. Vielleicht führt mittelfristig kein Weg am Schiedsrichter vorbei, der mit Mikro am Mund erklärt, wann er warum neue Bilder zu sehen bekommt.

Was bedeutet das für die Zukunft der Torjubel?

Alles Maßnahmen, die zu einer Entlastung der Schiedsrichter und mehr richtigen Entscheidungen führen können. Aber umso komplexer sie ausfallen, umso länger nehmen sie in Anspruch. Die Spieler des FC Bayern gestern jubelten nach den Toren noch wie gewohnt. Ob man aber bald bei einem Ausgleichstreffer in der 90. Minute in Zukunft nicht erst grundsätzlich zwei Minuten warten muss, um zu erfahren, ob er zählt, dürfte für die Emotionsausbrüche von Fans und Spielern einen großen Unterschied darstellen.

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Battle of Britain

Kaum zu glauben, aber wahr: Sandro Wagners Dreierpack gegen San Marino war gestern nicht das Heftigste, was die WM-Qualifikation zu bieten hatte. Im Battle of Britain sah bis zur 87. Minute alles nach einem knappen Erfolg der Engländer aus.

Dann kam die Schlussphase, zusammen mit der altbekannten Glücksspieler-Phrase: „Ab der 85. Minute wird der Schein erst interessant“ und der sich aufdrängenden Frage: Wer ist eigentlich dieser Leigh Griffiths?

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Die Liebe zu Stadien: Unterwegs mit einem Groundhopper

Die meisten der Fußballfans haben es noch relativ einfach. Sie lieben einen, vielleicht zwei Vereine. Sie versuchen, den Verein möglichst oft live zu erleben – ob im Stadion oder am Fernseher. Groundhopper sind da ein wenig anders. Natürlich sind auch sie Fans bestimmter Vereine. Aber ihr Fokus gilt nicht den Vereinen – sondern den Plätzen, auf denen sie spielen. Sie sammeln Stadien wie andere Leute Panini-Sticker. Bayern gegen Real Madrid im Fernsehen? Ganz nett. Aber das reizt kaum, wenn man zeitgleich den SC Wiedenbrück gegen den Wuppertaler SV live sehen kann.

Ich wollte mich dem Phänomen ein wenig nähern und war mit Jonas Schulte, Groundhopper und Betreiber von „Groundblogging“ unterwegs. In Hagen. Für die Begegnung der Regionalliga West „TSG Sprockhoevel – Alemannia Aachen“. Wenige Tage, bevor die erneuten Zahlungsprobleme der Alemannie bekannt wurden sahen wir eine relativ triste Partie, die „leistungsgerecht“ 1:1 endete.

100 Spiele im Jahr

Jonas fährt ein ordentliches Pensum: Mehr als 100 Spiele hat er im letzten Jahr im Stadion gesehen, mehrere am Tag sind kein Problem. Teilweise muss man sogar vor Abpfiff los, um ins nächste Stadion zu kommen. Unter Groundhoppern kein Problem, aber als Regel gilt: 45 Minuten einer Partie muss man gesehen haben, damit es offiziell „zählt“. Man kann es sich schon vorstellen: Ein ordentlicher Teil der Freizeit geht für so ein Hobby drauf.

Groundhopper sind Einzelkämpfer, aber es gibt Verbindungspunkte: Über eine App kann man  Freundeslisten anlegen, Spiele eintragen und sich „einchecken“, sobald man im Stadion angekommen ist. So erfährt man auch, wieviele andere Groundhopper sich das Spiel ansehen.

Warum Sprockhövel gegen Aachen?

Die TSG Sprockhövel weicht immer nach Hagen aus, wenn es gegen größere Gegner geht. Schön für das Stadion, das ansonsten derzeit unbespielt bleibt. Da die TSG Sprockhövel jedoch im März bereits fast sicher als Absteiger feststeht, bahnt es sich früh an, dass in der nächsten Saison keine Spiele mehr hier bestritten werden. Für Jonas der Hauptgrund, das Stadion zu besuchen, oder „den Ground zu kreuzen“, wie Groundhopper sagen. Eine extreme Form des Sammelns, die einen an die verschiedensten Orte mit verschiedensten Menschen führt. Und nebenbei gibts ja auch noch Fußball. Langweilig wird es damit nicht.

Auf der Suche nach der leckersten Stadionbratwurst, den urigsten Steintribünen und der besten Fanstimmung lernt Jonas tolle Menschen und Orte kennen, kriegt mal gewollte, mal ungewollte Einblicke in die jeweiligen Fanszenen der Vereine und kann nach und nach seine Stadionvita ausbauen.

In einem Gespräch für den Kölncampus Bewegungsmelder habe ich mich mit ihm am Rande der Partie unterhalten:

 

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Thomas Tuchel und die vergebliche Sehnsucht nach dem Ex

Die Tage von Thomas Tuchel in Dortmund scheinen, wenn man die Berichterstattung der letzten Tage verfolgt, nach zwei Saisons dem Ende entgegen zu gehen. Tuchels Berater spricht zwar öffentlich davon, dass das „Ziel ist, dass Thomas beim BVB bleibt“. Aber wenn einem in der Schule der Lehrer sagte, dass das „Ziel ist, dass du die Klasse schaffst“, wusste man zugleich: Es wird also ne enge Nummer.

„Unser Ziel ist es, dass Thomas beim BVB bleibt und dass sich alles wieder beruhigt. Für mich ist es wichtig, dass Thomas Tuchel in dieser Sache nicht weiter beschädigt wird. Thomas war und ist in allen seinen Aussagen sehr ehrlich und aufrichtig.“

(Tuchel-Berater Olaf Meinking zu Sport1)

Das fehlende Pöhler-Lächeln

Früh nach der für BVB-Fans legendären Klopp-Ära, bereits zu Tuchels Inthronisierung im Sommer 2015 war klar: Mit dem neuen Trainer wird einiges anders. Mit einem Mann, der sich mit Pep Guardiola nicht nur zum Abendessen trifft, sondern dessen Stil insgesamt verdächtig an den Spanier erinnert. Dessen Gemeinsamkeiten mit Klopp außer den Arbeitgebern Mainz und Dortmund und einer inflationären Nutzung des Wortes „brutal“ schon verstärkt gesucht werden müssen. Der sollte jetzt nach einer jahrelangen innigen und gut vermarktbaren Liebesbeziehung zwischen Klopp und dem BVB die Lücke füllen. Sportlich ist ihm das, die Grundvoraussetzungen betrachtet, gelungen. Auf den anderen Ebenen kämpft er bis heute um Boden.

Die Debatte rund um die Champions-League-Begegnung gegen Monaco kurz nach dem Anschlag hat das bereits angeschlagene Verhältnis endgültig beschädigt. Nach den Aussagen der letzten Tage scheint es nahezu unvorstellbar, wie Tuchel und der BVB noch langfristig erfolgreich miteinander arbeiten wollen – zumal es aus Spielerkreisen inzwischen auch Signale gegen Tuchel zu geben scheint.

Die Sehnsucht nach Jürgen

Dabei ist es im konkreten Fall schwer vorstellbar, dass ein Jürgen Klopp großartig anders reagiert hätte als Thomas Tuchel. Auch er hatte die Neuansetzung der Partie gegen Monaco kritisiert. Doch allein seine freundschaftliche Nähe zum Vorstand hätte die Kommunikation erleichtert.

Die Sehnsucht nach Jürgen Klopp ist eben auch zwei Jahre nach dessen Abgang in die Premier League spürbar. Und die Suche nach einem neuen Verkörperer des „Echte Liebe“-Slogans läuft nach wie vor.

Fehlende Alternative

Sieht man auf den Trainermarkt, scheinen grundsätzlich einige Optionen vorstellbar. Der ehemalige U23-Trainer der Dortmunder David Wagner ist mit Huddersfield Town als 5. solide in der zweiten englischen Liga unterwegs. Dem Trauzeugen von Jürgen Klopp mangelt es dabei an internationaler Erfahrung und, ja, er ist eben mit Huddersfield Town als 5. solide in der zweiten englischen Liga unterwegs.

In eine ähnliche Richtung geht Hannes Wolf, jahrelang in der Nachwuchsarbeit beim BVB involviert und mit dem VfB Stuttgart immerhin kurz vor dem Bundesligaaufstieg. Ob er den Verein danach verlassen würde?

Ein paar unrealistische Namen – und Julian Nagelsmann

Die medial gehandelten Namen wie Lucien Favre, Jorge Sampaoli oder Diego Simeone scheinen nur allzu unpassend zu sein, auch Jürgen Klopp Himself wird natürlich nicht zurückkehren. Bleibt noch Julian Nagelsmann. Das vielfach beachtete Trainertalent könnte den Sprung auf das nächste Level bereits sehr früh wagen – auch ohne großartige internationale Erfahrung vorweisen zu können.

Der 29-Jährige hat in der Vergangenheit stehts betont, sich viel vorstellen zu können, aber damit keine Eile zu haben. Die TSG Hoffenheim jetzt zu verlassen würde dem ein wenig im Wege stehen. Andererseits kommen bestimmte Angebote nur zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Top-Wahl: Thomas Tuchel?

Aber wer kennt den Verein, die Spieler und hat in der Vergangenheit Erfolge in Drucksituationen vorzuweisen? Genau. Thomas Tuchel hat sich in diesem Umbruchprozess der Dortmunder Borussia als überaus erfolgreich erwiesen. Was ersportlich nach dem Wegfall von Gündogan, Hummels und Mkhytarian diese Saison mit dem BVB gegen alle Widrigkeiten geleistet hat, ist ohne Zweifel herausragend. Wahrscheinlich gibt es kaum eine bessere Option für den Trainerposten derzeit.

Doch die zwischenmenschlichen Probleme machen eine Trennung schwer vermeidbar. Auf das Gespräch nach Saisonende darf man jetzt zumindest gespannt sein. Der BVB muss langfristig die Trennung von Jürgen Klopp emotional überwinden. Und wer weiß, ob das nicht doch noch gelingt. Hin und wieder klappt so eine Versetzung ins nächste Schuljahr schließlich auch.

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Die Brutalität des Wortes: Von Klopp über Tuchel zu Nagelsmann

Der Fußball wird moderner, aber der Sprachgebrauch seiner Protagonisten hat sich eigentlich kaum verändert. Waren letztes Jahr noch alle begeistert von der bei der EM ausführlichst dargelegten Packing-Rate, erinnert man sich dennoch auch noch an die großen Klassiker-Phrasen der Analyse. Das Spiel unter Kontrolle bringen. Sich Chancen erarbeiten. Das Spiel breit machen. Den Ball in den eigenen Reihen laufen lassen.

Nein, eine große Sprachrevolution gab es nicht. Aber Nuancen verändern sich. Hin und wieder werden Sätze eingeführt, die Jahre später das ganze Business benutzt. Seit ein paar Jahren gibt es ein neues Wort, welches sich bru…sagen wir, gewaltsam in den Sprachschatz der Trainergattung gedrängt hat. Angeführt von einem, der in England nichtmal ein neues Wort lernen musste. Jürgen Klopp. Und die Liebe zum Wort „Brutal“.

Brutal schwer, Brutal wichtig, Brutal brutal

Diesen Begriff kannte man bis vor wenigen Jahren nur als Umschreibung für die ganz großen Fouls. Von Blutgrätschen bis hin zu Ellenbogenschlägen umschrieb das Wort ziemlich perfekt die rotwürdigen Aussetzer der Profis, sodass es nicht verwundert hätte, wenn Arturo Vidal sich das Wort noch irgendwo auf seinen Hals tättowiert hätte. Da war nur leider brutal wenig Platz.

Klopp jedoch fand in dem Wort ein Ventil für seine Emotionen und sagte daher schon früh, wenn es „brutal schwer“ für seinen BVB werde (hier nach einem 2:0-Sieg gegen Nürnberg im Jahr 2010). Niederlagen, wie gegen den HSV, habe man sich „brutal selbst eingebrockt“, bei Siegen aber den Gegner gerne mal „brutal bearbeitet“. Im DFB-Pokal müsse man jeden Gegner „brutal ernstnehmen“ – es ging dabei um Saarbrücken – aber nach manchen Niederlagen im Ligawettbewerb wusste selbst Klopp lediglich festzustellen: „Die Bundesliga ist brutal“.

Das Wort fand scheinbar vermehrt Anwendung, wenn man den Gesprächspartner davon überzeugen wollte, wie schwer etwas wirklich wiegt. So stellte Klopp auch im Jahr 2011 fest, dass Jakub Blaszszykowski „brutal wichtig“ für den Verein sei. Von Thomas Tuchel wurde der Pole inzwischen brutal aussortiert, von den Fans aber bei seiner Rückkehr brutal gefeiert.

Brutale Übergabe

Apropos Thomas Tuchel. Von seinem Nachfolger sagte Klopp bereits 2013, dass dieser Ideen „brutal mutig“ umsetze – somit war die Neubesetzung des Trainerpostens beim BVB eigentlich da bereits nur noch Formsache und es dauerte nicht lange, bis nach dessen Inthronisierung Mehmet Scholl als ARD-Experte ankündigte, Tuchel werde auch den BVB „brutal umbauen“.

Tuchel führte sich beim BVB derweil auch sprachlich erfolgreich ein. So stellte er im Bezug auf den DFB-Pokal revolutionär fest, dass die Konstellation (Einer gewinnt, einer verliert, es gibt kein Unentschieden) eine „gewisse Brutalität“ mit sich bringe. Spätestens hier war der Zeitpunkt gekommen, an dem Luiz Gustavo seine Heavy-Metal-Garagenband „Los Brutalos“ aus Protest umbenannte.

Brutale Qualität: Kein Karten-Kriterium

Besonders gerne findet man den Begriff bei der Hervorhebung des eigenen oder gegnerischen Niveaus. Ilkay Gündogan hatte Klopp lange genug zugehört um von der „brutalen Qualität“ seiner Mannschaft zu wissen, und selbst Exil-Spieler wie Eindhovens Verteidiger Daniel Schwab wusste, dass er Robert Lewandowski nicht beschreiben konnte, ohne die Vokabel zu benutzen.

Eine dankbare Tendenz für alle Lokalzeitungen und -trainer dieses Landes. Denn die Schlagzeilen der Verbands- bis Kreisliga schrieben sich plötzlich von alleine und lenkten von der tatsächlich doch oft fehlenden brutalen Qualität einer Liga ab.

Brutale Trittbrettfahrer

Hätte Pep Guardiola die Vokabel ähnlich oft auf seinem Lernzettel gehabt wie die Liste deutscher Superlative, er wäre sicher ein großer Fan der Nutzungsweise gewesen. So obliegt es jedoch dem derzeitigen deutschen Vorzeigetrainer, den Trend weiterzuführen. Denn Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann verkündete nun vor der Partie gegen den BVB, der Druck läge „brutal bei Dortmund“. Man kann den Druck förmlich schreien und toben hören. Immerhin: Nach den Ergebnissen der letzten Wochen ist Dortmund sportlich ein wenig aus der „brutal schweren Phase“ raus, die Holger Stanislawski ihnen Anfang April noch bescheinigte.

Dass die Verwendung jetzt auch über Dortmund hinaus auf den Rest des Landes übergeht, kann eine brutale Tendenz sein, die schlimmes für die nächsten Medienschulungen der Spieler vermuten lässt. Und in Arturos Gesicht bilden sich automatisch zwei neue Tränentattoos von brutaler Qualität.